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Deutschland - Weltmeister in nachhaltiger Plastikproduktion? Eher nich – avoid waste

Deutschland - Weltmeister in nachhaltiger Plastikproduktion? Eher nicht.

Dass zu viel Plastik produziert und im Müll landet, ist kein Geheimnis mehr. Und der Plastikverbrauch steigt weiterhin konstant an. Folgende Zahlen machen es deutlich:

2003: 187,5 Kg p.P. ges.: 15,5 Mio. Tonnen
2013: 212,5 Kg p.P. ges.: 17,1 Mio. Tonnen
2016: 220,5 Kg p.P. ges.: 18,16 Mio. Tonnen

So stieg der Plastikmüllverbrauch von 2003 bis 2013 um mehr als zehn Prozent! Dieser Trend hat sich seitdem nicht nur fortgesetzt, sondern verstärkt, denn von 2013 bis 2016 ist der Verbrauch um weitere sechs Prozent gestiegen. Der europäische Durchschnitt liegt dabei im Übrigen bei nur 167,3 Kg p.P. in 2016. Damit ist Deutschland der traurige Spitzenreiter in Europa.

Und woher kommt der ganze Müll?

Für ca. 47% des Mülls sind dabei private Haushalte verantwortlich, der Rest kommt aus dem geschäftlichen Bereich. Grundsätzlich macht der Verpackungsmüll dabei übergreifend einen Anteil von knapp 50% aus.

Gründe für diesen hohen Anteil von Verpackungsmüll sind im privaten Bereich vor allem der gestiegene Internethandel, aber auch die To-Go-Gesellschaft, die sich lieber eben schnell etwas auf die Hand holt, als sich morgens Brote zu schmieren und diese mitzunehmen. Die wohl bekanntesten Beispiele in diesem Zusammenhang sind wahrscheinlich Plastiktüten, die in Deutschland noch so beliebt sind, wie in Europa sonst nur in Irland und Estland, sowie die Coffee-to-go-Becher. Diese bestehen zu 95% aus Papier, enthalten aber auch fünf Prozent Kunststoff als Beschichtung und können daher nicht recycelt werden.

In den deutschen Supermärkten findet man an der Kasse immerhin schon keine kostenlosen Plastiktüten mehr. Die kleinen dünnen Tüten für loses Obst und Gemüse gibt es aber trotzdem noch umsonst. Und ein Verbot von Plastiktüten in Deutschland ist auch nicht geplant. Warum nicht?

Hier ist auf jeden Fall noch viel Raum für Verbesserungen. Immerhin, ein kleiner Lichtblick am Ende des doch so düsteren Tunnels. Die EU plant ein Gesetz, in dem festgelegt ist, dass sämtliche Plastikverpackungen zumindest wiederverwertbar, also recyclebar, sein müssen. Zeithorizont: 2030. Wow. Warum das Ganze noch 12 Jahre dauern soll, weiß die Industrie vermutlich besser als wir, aber ohnehin ist das nach unserer Auffassung viel zu wenig. Wir fordern stärkere Verbote und endlich ein klares Umdenken. We need bold decisions!

Und nun?

Recycling ist wichtig. Aber noch besser ist es doch Müll gar nicht erst entstehen zu lassen, weniger herkömmliches Plastik zu produzieren und auf nachhaltige Verpackungsmaterialien umzusteigen. Hier und da sieht man kleine Verbesserungen und Ansätze. Die Leute werden langsam der Problematik bewusst. Doch vor allem auch die Industrie muss nachziehen. Und diese hören indirekt auf das Konsumverhalten der Menschen. Also wenn wir kontinuierlich unseren Einkauf plastikarm bzw. -frei gestalten, so steigt auch die Nachfrage und die Industrie muss früher oder später nachziehen und Alternativen bieten.

Schlussendlich ist es wichtig, dass jeder Einzelne von uns Verantwortung übernimmt. Sind wir sonst doch so stolz auf "Made in Germany", ist die hohe Müllproduktion kein Bereich, in dem wir führend und stolz drauf sein sollten.

Was sollen wir also tun?

Eine ausführlichere Antwort darauf liefert die Präsidentin des Umweltbundesamts (UBA), Maria Krautzberger, im Interview mit Spiegel Online: "Wir produzieren viel zu viel Verpackungsmüll - ein trauriger Spitzenplatz in Europa. […] Und vor allem müssen wir Müll vermeiden, möglichst schon in der Produktionsphase durch den Verzicht auf unnötige und unnötig materialintensive Verpackungen. Außerdem sollten Mehrwegsysteme gestärkt werden, die klare ökologische Vorteile gegenüber Einwegverpackungen haben."

Kurzgesagt: avoid waste ;)

Bleibt nur noch die Frage, was mit dem ganzen Plastikmüll geschieht und welche Schäden dieser tatsächlich anrichtet? Achtest Du auch schon drauf, wieviel Plastik zu kaufst und verbrauchst?

 


Autoren:
Kristof Balke (Hauptautor), Stefanie Schwarz, Jan Patzer

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