Plastik aus nachwachsenden Rohstoffen: Eine Zukunft ohne Erdöl

Gasstation Erdöl

Beschäftigst du dich gerne mit Erdöl? Wahrscheinlich eher nicht. Doch dein Körper setzt sich täglich damit auseinander. Denn zur Herstellung von Plastik wird Erdöl verwendet und davon nimmt jeder von uns bis zu 5 Gramm pro Woche auf - das entspricht einer Kreditkarte. Weshalb das "schwarze Gold" so schädlich ist und weshalb du auf Plastik verzichten solltest, erfährst du in diesem Beitrag.

Was ist Plastik eigentlich?

Plastik ist ein Begriff, der für jegliche Kunststoffe verwendet werden kann. Also ein Produkt synthetischen Ursprungs, welches so in der Natur nicht zu finden ist. Kunststoffe werden vor allem aus Erdöl und Erdgas hergestellt. Sie entstehen durch chemische Reaktionen von natürlichen Rohstoffen, auch als Polymerisation bezeichnet. Durch verschiedene Verfahren lassen sich so weiche, harte, durchsichtige und farbige Kunststoffe herstellen. Die ersten Kunststoffe wurden in der Zeit zwischen 1850 und 1950 erfunden. Seitdem wurden die Produkte weiter modifiziert, meist aber mit giftigen Zusätzen.

Mehr dazu findest du in unserem Beitrag zur Geschichte über die Entstehung von Plastik

Entstehung von Plastik

Quelle: Grafik: PLASTIKATLAS | Appenzeller/Hecher/Sack, CC BY 4.0

Die Rohstoffgewinnung

Erdöl kommt natürlich in der Natur vor. Die wenigsten Erdölvorkommen treten jedoch ohne menschliches Handeln an die Oberfläche. Bereits im 19. Jahrhundert begann die Menschheit nach Erdöl zu bohren, um an das “schwarze Gold” zu gelangen. Während 1860 die erste Bohrung noch in 21 Metern Tiefe stattfand, wird heute bis zu 8500 Meter tief gebohrt. Die Länder mit den meisten Erdölbohrungen sind Russland, USA, Kanada, Venezuela sowie einige arabische Länder. Doch dies reicht noch lange nicht aus. Um langfristig aus dem Meer Öl an die Oberfläche zu pumpen werden Bohrinseln errichtet. Dafür wird bis zu 3000 Meter tief gebohrt. Alleine in der Nordsee fördern 450 Öl- und Gasplattformen. Das Offshore-Öl trägt ca. 37% des weltweiten Erdölbedarfs bei, Tendenz steigend.

Erdöl Tanker fährt

Die Natur zahlt den Preis.

Doch wann fordert die Natur den Preis für unseren unendlichen Erdölkonsum? Bei Unfällen, durch Produktionswasser, durch ölhaltigen Bohrschlamm, gemischt mit Bohrabfällen (sogenanntes Bohrklein) und durch die Abfackelung von Gas gelangten alleine im Jahr 1999 rund 9000 Tonnen Öl aus dem Alltagsbetrieb der Anlagen in die Nordsee.

Ein weiterer Grund für Öl in der Natur sind Unfälle von Tankern und auf Bohrinseln. Ein aktuelles Beispiel ist der vor Mauritius havarierte Frachter. Trotz der Bemühungen das Öl abzupumpen, gelangten hunderte Tonnen Öl ins offene Meer. Jedoch gelangt Öl nicht nur durch Frachter in die Umwelt, auch Defekte an Plattformen haben gravierende Folgen. Bilder, die wir alle sicherlich noch im Kopf haben, sind die der Plattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexico, als diese in Flammen stand. Der extrem hohe Druck macht Lecks, sogenannte Blow-outs, unbeherrschbar. Durch den Unfall gelangten Schätzungen von Expert*innen zufolge zwischen 500.000 und 800.000 Tonnen Erdöl über 5 Monate hinweg ins Meer.

Öltanker im Meer erdöl Problem

Abholzung der Wälder zugunsten der Ölindustrie

Die heute bekannten Erdölreserven reichen voraussichtlich nur noch 40 - 50 Jahre. Es werden zwar stetig neue Vorkommen entdeckt. Diese liegen jedoch nicht selten noch tiefer unter der Erde, was das Erschließen dieser Quellen noch risikoreicher und wesentlich teurer macht. Zudem müssen große Wälder gerodet werden, um an abgelegene Vorkommen zu gelangen. Dadurch werden Naturräume zerstört, wobei keine Rücksicht auf indigene Völker genommen wird, deren Wohnraum dabei zerstört wird.

Chemie im Körper

Während der Förderung von Erdöl, insbesondere beim Fracking-Verfahren, gelangen giftige Substanzen in die Umwelt. 170 Schadstoffe, die beim Fracking entstehen, stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen, Fortpflanzungs- und Entwicklungsstörungen zu verursachen oder das Immunsystem zu schädigen.

Bei Plastik sieht es ganz ähnlich aus. Weichmacher machen das Planschbecken weich. Fluorierte Verbindungen werden zur Imprägnierung von Outdoor-Jacken verwendet. Im Durschnitt enthält ein Plastikprodukt rund 7% dieser Zusatzstoffe, es können jedoch auch bis zu 70%, wie bei einem Plastikball, sein. Viele dieser Chemikalien haben Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen. Die Folgen können langfristig und gravierend sein.

Chemie im Körper - das Problem von Plastik und Erdöl

Quelle: Grafik: PLASTIKATLAS | Appenzeller/Hecher/Sack, CC BY 4.0

Erdöl in Alltagsprodukten

Infografik Erdöl in Alltagsprodukten

Dass wir Erdöl zum Heizen unserer Wohnungen und zum Fahren von Autos verwenden, ist vielen bewusst. Dass es sich jedoch auch in Cremes, Salben, Kerzen und Kaugummis versteckt, würde man auf den ersten Blick nicht denken. Wie in unserem Beitrag zu nachhaltigen Produkten erläutert: Achtet darauf, was in den Produkten steckt, die ihr euch zulegt. Der Stoff “Paraffin” wird aus Erdöl gewonnen und ist daher ein Erkennungsmerkmal für ein erdölbasiertes Produkt, für welches ihr zukünftig vielleicht besser eine Alternative suchen solltet. Uns ist es wichtig auf erdölbasiertes Plastik zu verzichten, daher arbeiten wir mit umwelt- und ressourcenschonenden Materialien, wie Weizenstroh oder Reishülsen. Nicht nur unsere Umwelt und Menschen, die in erdölreichen Regionen wohnen, auch deine Haut und dein Körper werden dir danken.

Quellen