Spezial: Zuckerrohr

Zuckerrohr plastikfrei

Dürfen wir vorstellen? Zuckerrohr.

Bei Avoidwaste machen wir uns tagtäglich Gedanken über den Einsatz von nachhaltigen Materialien. Dabei betrachten wir den gesamten Lebenszyklus: von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung eines Produktes. Wir möchten transparent sein und euch auf die Reise mitnehmen. In den vergangenen Jahren haben wir viel für euch experimentiert. Wir haben Weizenstroh und Reishülsen als Alternative zu herkömmlichem erdölbasiertem Plastik entdeckt. Jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter: Zuckerrohr.

4 Faktoren, die uns von Zuckerrohr überzeugt haben

1. Nachhaltige Rohstoffgewinnung

Der Anbau von Zuckerrohr erfolgt insbesondere in Brasilien, in einem Gebiet, das optimale Bedingungen für den Anbau bietet. Er wird durch die “Sugarcane Agroecological Zoning Policy” von der Regierung reguliert. Dies ermöglicht, dass Bauern und Bäuerinnen vor Ort nachhaltig mit einem möglichst geringen Wasserverbrauch und wenig Nutzung von Insektiziden expandieren können. Es kommt kein genetisch verändertes Saatgut zum Einsatz und aktuell werden lediglich 11% der potenziell nutzbaren Ackerfläche verwendet.

Ein weiterer entscheidender Vorteil stellt die Mehrfachnutzung der Ackerfläche dar: Der Anbau steht kaum mit der Gewinnung des Zuckers als Lebensmittel in Konkurrenz, da die Ernte des Zuckerrohr durch mehrere Pressungen weiterverarbeitet wird. Die ersten zwei Pressungen sind die zuckerreichhaltigsten Pressungen und werden rein für die Zuckerproduktion genutzt. Die letzten drei Pressungen werden aufgrund des geringeren Zuckergehaltes für die Ethanolproduktion genutzt, die Grundlage für unser Material ist und durch anschließende Weiterverarbeitung zu dem Granulat wird, aus dem wir unsere Produkte formen.

2. Sehr gute CO2 Bilanz

Zuckerrohr Produktion Bio-Kunststoff

Das Material hat aus mehreren Gründen eine sehr gute Ökobilanz. Einerseits speichert das Zuckerrohr im Wachstum viel CO2, welches folglich im Produkt gebunden ist. Zudem ist die gesamte Wertschöpfungskette zur Gewinnung des Materials durchdacht mit dem Ziel, CO2 zu reduzieren.

Der Lebenszyklus des Materials beginnt mit der Zuckerrohrplantage, dem Anbau und der Ernte. Das Zuckerrohr wird dann mit Lastwägen zu den Mühlen transportiert, wo es zerkleinert wird, um sowohl Zucker als auch Ethanol zu produzieren. Die Umgebung für den Anbau bietet optimale klimatische Bedingungen, sodass das Zuckerrohr schnell wächst. Der benötigte Wasserbedarf wird überwiegend durch die natürlichen Niederschläge gedeckt. Der größte Hebel tritt nach der Ernte ein. Nachdem der Zucker aus den ersten Pressungen gewonnen wird und die restliche Zuckerrohrmelasse weiterverarbeitet wurde, bleibt ein Reststoff, die sogenannte Bagasse übrig. Die Bagasse ist reich an Zellulose und wird verwendet, um in den Fabriken die Kessel zu befeuern und Energie zu erzeugen. Dadurch wird alternative Energie gewonnen und es ist nicht notwendig, auf Gas oder andere nicht erneuerbare Energiequellen zurückzugreifen. Die so gewonnene Energie treibt die Anlagen selbst an, und es entsteht ein selbstversorgendes Energiesystem. Die Überschüsse werden an das örtliche Stromnetz weitergeleitet, um damit umliegende Städte zu versorgen. Die Asche, die bei der Verbrennung entsteht, wird genutzt um die Felder natürlich zu düngen.

Betrachtet man die CO2 Bilanz, die zur Bewertung der Ökobilanz im Rahmen des Life Cycle Assessments (LCA) berechnet worden ist, zeigen sich die positive Auswirkung der nachhaltigen Wertschöpfungskette:

Zuckerrohr CO2 Speicherung

Die LCA wurde durchgeführt in Übereinstimmung mit den Normen NBR ISO14040:2009 und NBR ISO14044:2009

3. Hohe Kreislauffähigkeit am Ende des Lebenyzyklus

Unser großes Ziel war es ein Material zu finden, welches nicht in der Verbrannungsanlage landet, sondern im bestehenden Wertstoffsystem entsorgt und weiterverarbeitet werden kann. Dadurch werden Ressourcen enorm geschont.

Good News: Unser Zuckerrohr ist recycelbar. Wir brauchen keinen besonderen Prozess, sondern es kann einfach im gelben Sack oder in der gelben Tonne, d.h. innerhalb des bestehenden Wertstoffsystems in der DACH Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) entsorgt werden. Es wird dort erkannt und recycelt. Dies schaffen wir, da das Material, obwohl es erdölfrei ist, der chemischen Struktur von Polyethylen entspricht.

4. Langlebigkeit

Die Langlebigkeit ist eine essentielle Variable in der Betrachtung der Nachhaltigkeit von Produkten. Unser biobasiertes Material aus Zuckerrohr ist resistent gegen Säuren, Basen und weitere Chemikalien. Es ist spülmaschinengeeignet und steht konventionellem Plastik in nichts nach, obwohl es ohne schädliches Erdöl auskommt. Du kannst Produkte aus Zuckerrohr also viele Jahre nutzen.

Zuckerrohr, auch Bio-PE genannt, kann also viele konventionellen Produkte aus erdölbasiertem Plastik ersetzen, trägt mit einer negativen CO2 Bilanz zum Klimaschutz bei und garantiert eine hohe Langlebigkeit und Kreislauffähigkeit .

Unser erstes Produkt aus Zuckerrohr ist die Seifendose: klimaneutral, erdölfrei, recyclingfähig und hergestellt in Deutschland.